ADHS aus Sicht eines Betroffenen

AD(H)S aus der Sicht eines Betroffenen zu beschreiben ist gar nicht  so einfach. 
 AD(H)S `ler sind in den meisten Fällen lebenslustige, humorvolle, ehrliche, kreative und hochsensible Zeitgenossen, ohne die das Leben vieler "Normalos" sehr leer und einsam wäre.....
 Wir AD(H)S`ler haben alle unsere eigenen Problemchen und doch findet man immer wieder Gemeinsamkeiten mit andern . Die Gesichter von AD(H)S sind so vielseitig und doch oft  vergleichbar. Jeder  sieht sich mit seinen Stärken und Schwächen ganz individuell.
 
Oft weiß man gar nicht, dass ein AD(H)S  vorliegt. Man merkt nur, dass in seinem Leben immer wieder Probleme auftreten wo der Normalo keine Schwierigkeiten hat. Die kleinsten Dinge erscheinen oft schwierig:

  • Ordnung halten 
  • Still sitzen
  • Bei der Sache bleiben
  • Schön schreiben
  • Nicht immer zappeln
  • Einfach mal auf EINE Sache konzentrieren
  • Nicht dazwischen quatschen
  • .....

Das Chaos im Kopf!
Das ist eine Aussage die viele verstehen und  mit der sich die meisten AD(H)S`ler identifizieren können.
Wir AD(H)S`ler haben keine Reizfilterung d.h. wir nehmen alles auf, was in unserer Umgebung geschieht, ohne dabei eine Wichtigkeitseinstufung vornehmen zu können.
Es ist an manchen Tagen fast unmöglich einen strukturierten Alltag  zu erleben, weil hunderte Gedanken gleichzeitig im Kopf umherschwirren. Unsere Gedanken haben ein Eigenleben, so scheint es jedenfalls.
Man hüpft von Idee zu Idee und bringt oft nichts zu Ende. Dabei  hat man gänzlich vergessen was wirklich wichtig ist und was alles erledigt werden sollte.
Das löst bei den meisten von uns oft Verzweiflung aus - Man hat doch das  Potential, warum schafft man es nicht die eigenen Erwartungen zu erfüllen - Den Alltag zu meistern...
Wir haben immer viele verschiedene Dinge,  mit denen wir uns gleichzeitig beschäftigen. Das ist für uns wichtig damit wir überhaupt etwas hinbekommen, ansonsten setzt die Langeweile ein und dann werden wir aggressiv.... Wir können Euch zuhören, gleichzeitig etwas malen, dabei zappeln wir ständig mit dem Fuss oder tippen mit den Fingern, summen oder pfeiffen ein Liedchen. Das heisst nicht, das wir nicht aufpassen was Ihr sagt, es ist unser Weg bei der Sache zu bleiben.

Ordnung halten und System aufbauen gelingt uns entweder gar nicht oder ist von uns selber so perfektioniert worden, dass zufällig auftretende Unordnung uns komplett überfordert.

Wir AD(H)S`ler haben eine andere Wahrnehmung, oft überschätzen wir uns maßlos, erträumen uns Luftschlösser und enden als enttäuschtes und verzweifeltes Wrack.... Viele von uns haben ein unheimlich niedriges Selbstwertgefühl - "ich kriege das sowieso nicht hin" oder wir strotzen vor Selbstbewustsein - Mr. Perfekt ist ein Dreck dagegen.
Wir sind sehr liebenswerte Menschen, mit viel  Sinn für Gerechtigkeit. Für die Personen, die wir mögen und die uns  akzeptieren, holen wir die Sterne vom Himmel.
Oft können andere Menschen grade deswegen mit uns wenig anfangen - wir stoßen auf Grenzen in der Gesellschaft, die wir nicht immer leicht verstehen können. Das macht uns leider immer wieder zu  Außenseitern.
Schon im Kindesalter werden viele von uns ausgegrenzt und das zieht sich durch unser Leben.
 Aber nicht nur Außenstehende haben so Ihre Probleme mit uns,  auch die eigene Familie scheitert oft an den weniger liebenswerten Eigenschaften.
 AD(H)S Kinder treiben Ihre Eltern in den Wahnsinn, ganz besonders  wenn unser anders sein unerkannt ist. Zugleich sind AD(H)S Kids oft enorm kreativ und lebensfroh, lebendig und besitzen einen  erfrischend freien Geist. Das gilt auch für uns groß gewordenen Kids.
Verwandte und Freunde fühlen sich hin und her gerissen zwischen Liebe und Entäuschung. Als Kind und Erwachsener leidet man sehr unter diesen Situationen - wir sehen selber nicht, warum die anderen uns nicht verstehen oder alles falsch verstehen.

Wir brauchen Eltern, die uns leiten und führen ohne uns "gefangen" zu halten.
Menschen die uns eine Richtung anbieten und uns helfen Wege zu finden, aber uns nicht vorschreiben, was wir zu tun haben. Als AD(H)S`ler braucht man diese Bezugspersonen - hat man Sie, wird manches einfacher!
Auch wir verstehen oft nicht, warum wir anscheinend so schwierig sind. Grade die Menschen, die uns am meisten bedeuten, werden oft weggestoßen und müssen sehr stark sein! Schaffen Sie es, uns immer wieder auf den richtigen Weg zu bringen, haben Sie in uns allerdings einen absolut loyalen Partner und Freund.
Wir lieben es, anderen etwas zu geben, Ihnen zu helfen oder eine Freude zu machen. Oftmals bis hin zur Selbstaufgabe helfen wir allen, die unsere Hilfe brauchen und uns wichtig sind.
Abschliessen möchten wir diesen Einblick in unser Leben,  indem wir alle Aussenstehenden um Hilfe und vor allem Verständniss bitte. Alle Betroffenen zum mitmachen und mitreden auffordern, aufzustehen und etwas zu unternehmen!
Mag sein, daß wir AD(H)S´ler anscheinend überall Chaos verbreiten, aber mit Hilfe von Menschen, die uns wichtig sind, können wir dieses Chaos in Liebe, Wissen und Kreativität umwandeln.
Daher die Bitte: Solltet Ihr jemanden wie uns kennen, jemand der alles vergisst, immer wieder träumt oder einfach zu langsam für euch ist
 oder
solltet ihr jemanden kennen,der von einem Thema zum anderen springt, der tausend Dinge gleichzeitig  macht
oder
solltet ihr jemanden kennen, der sehr schnell, ohne für euch ersichtlichen Grund, agressiv reagiert und in der nächsten Minute wieder entspannt mit euch spricht
oder
jauchzt und zu Tode betrübt , ein ständiges Wechselbad der Gefühle durchlebt, solltet ihr jemanden kennen, der himmelhoch
gebt ihm eine Chance und schaut etwas genauer hin, bevor ihr ihn verurteilt 

ADHS aus Sicht eines Betroffenen