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AD(H)S wird erwachsen - Bericht [ erstellt am: 06.11.2018 ]
AD(H)S wird erwachsen – 2. AD(H)S-Symposium in Uelzen

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) betrifft nicht nur Kinder und Jugendliche. Sie bleibt bei mehr als der Hälfte bis ins Erwachsenenalter bestehen und gerade der Übergang ins Erwachsenenalter stellt eine besondere Herausforderung für die Betroffenen und ihr Umfeld dar.

„ADHS wird erwachsen“ lautete das Thema des zweiten Uelzener ADHS-Symposiums, das kürzlich im Uelzener Rathaus stattfand. Es war das erste große gemeinsame Projekt der AD(H)SSelbsthilfegruppe JoJo-Hankensbüttel und der neu gegründeten Regionalgruppe JoJo-Uelzen des AD(H)S Deutschland e. V. In ihrem Grußwort betonte die stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Uelzen, Brigitte Kötke, wie wichtig die Aufklärung über die Störung AD(H)S für die Betroffenen und ihre Familien sei und begrüßte, dass es nun auch in Uelzen eine kompetente Selbsthilfegruppe gebe.

Dr. med. Kirsten Stollhoff, Fachärztin für Neurologie und Pädiatrie in Hamburg, beleuchtete in ihrem Vortrag die sensiblen Phase des Erwachsenwerdens, die für Jugendliche und junge Erwachsene mit dem Störungsbild AD(H)S häufig eine zusätzlich Belastung darstellt. So berichtete sie von einem jungen Mann, 19 Jahre alt, dessen schulische Laufbahn durch beharrliche elterliche Unterstützung und geeignete ärztliche Betreuung weitgehend problemlos verlief. Mit 18 bekam er einen Ausbildungsplatz in seinem Wunschberuf, doch gleichzeitig musste er zu einem Erwachsenmediziner wechseln, so sieht es die Ordnung für Ärzte vor. Die Betreuung durch seine ihm vertraute Kinder- und Jugendärztin brach ab. Der junge Mann kam zu spät zu seinem ersten Termin beim neuen Arzt und wurde daraufhin weggeschickt. Den zweiten Termin vergaß er. In der vorherigen Praxis war es üblich gewesen, die jungen Patienten an ihre Termine zu erinnern. Einen dritten Termin bekam er nicht und so entschied der junge Mann, dass es auch ohne Arzt und Medikament gehe. Im 2. Ausbildungsjahr bekam er Schwierigkeiten in seinem Umfeld, vor allem in seinem Ausbildungsbetrieb. Weil er seinen Chef, der ihn mehrfach abwertend kritisiert hatte, mit einem Messer bedrohte, flog er schließlich raus.

Mit der Volljährigkeit werden gemeinhin Erwartungen an junge Menschen gestellt, die AD(H)SBetroffene in der Regel nicht erfüllen können. Der Grund dafür ist eine Hirnentwicklungsstörung, welche die Hirnreifung um 3 – 5 Jahre verzögern kann. Sie haben nach wie vor Probleme ihre starke Impulsivität zu kontrollieren. Sie sind weniger in der Lage selbstverantwortlich zu handeln, vernünftiges Zeitmanagement oder der Umgang mit Geld fallen ihnen schwer. Ihr Einsichtsvermögen ist stark eingeschränkt und ebenso sind es Fähigkeiten wie Rücksichtnahme, Übersicht oder das Treffen von Entscheidungen. Angesichts dieser Symptomatik kann die sogenannte Transition, der Übergang ins Erwachsenenalter, leicht schief gehen. Gerade in dieser Lebensphase stehen wichtige Weichenstellungen an: Schulabschlüsse sind zu meistern, ein geeigneter Ausbildungsplatz muss gefunden werden, neue Beziehungen, Freundschaften oder der Umgang mit Kollegen und Ausbildern stellen nur einige der Anforderungen dar. In der Rechtsprechung, so Stollhoff, geht man flexibler auf die individuelle Situation junger Straffälliger ein; entsprechend wird das Jugendstrafrecht in der Regel bis zum Alter von 21 Jahren angewendet. Solche Flexibilität wünscht sie sich auch in der Medizin.

Was brauchen die jungen Erwachsenen noch? Die meisten wünschen sich weiterhin Unterstützung durch ihre Eltern. Hilfen bei der Ausbildung sind ebenso wichtig wie Beratung und Begleitung für Ausbilder und Lehrer. Günstig sind Gruppenaktivitäten zum Beispiel im Bereich Sport und vor allem sollte gelten: Weg vom PC! Betroffene müssen lernen ihre AD(H)S zu kontrollieren statt von ihr kontrolliert zu werden.

„AD(H)S und Sucht“ lautete das Thema, zu dem Dr. Johannes Streif, Diplompsychologe aus München und selbst betroffen, neueste Untersuchungsergebnisse und Erkenntnisse lieferte. Sucht lässt sich definieren als unkontrollierbares Verlangen nach einem bestimmten Erlebnis bzw. Erlebniszustand. Verstand und Vernunft werden untergeordnet und es folgt innere Unruhe.

Nach einem Überblick über die verschiedenen Suchtmittel und ihre Verbreitung in unserer Gesellschaft, geht es um die Frage, wie häufig Sucht bei AD(H)S-Betroffenen vorkommt. Studien belegen eine deutlich erhöhte Suchtgefahr. Das reicht von einer 2,8fach höheren Alkoholabhängigkeit bis zu einer fast 8fach höheren Drogenabhängigkeit. Was aber sind die Ursachen des erhöhten Suchtrisikos bei ADHS? Schaut man sich die Symptome der AD(H)S an, wird klar, dass sie von den Betroffenen oft als sehr belastend empfunden werden und dass von Suchtmitteln Erleichterung erhofft wird.

Da sind zum einen die Aufmerksamkeitsstörung und leichte Ablenkbarkeit, die den Alltag erschweren. Hyperaktivität bedeutet ständige innere Unruhe und Rastlosigkeit und begünstigt das Bedürfnis nach Entspannung und Selbstberuhigung. Die mangelnde Impulskontrolle schließlich begünstigt unbedachtes Handeln und weniger Bedenken hinsichtlich negativer Konsequenzen insbesondere beim Konsum illegaler Substanzen. Wird ADHS behandelt, sinkt auch das Risiko für Sucht. Wenn jedoch ein Suchtproblem besteht, erweist sich die Behandlung der ADHS als sehr schwierig. Wie kann man ADHS-Betroffene stark machen gegen die Sucht? Mit Hilfe von Psychoedukation und verhaltenstherapeutischen Maßnahmen können Selbstaufmerksamkeit und Selbstmanagement erlernt werden. Laut Streif sollte schon bei Kindern und Jugendlichen Verständnis geweckt werden für eigenverantwortliches Handeln, die Übernahme von Verantwortung für die eigene Person, die eigenen Dinge, die Konsequenzen des eigenen Handelns. Anstrengungs- und Leistungsbereitschaft müssen gefördert werden ebenso wie das Einhalten von Regeln und ein angemessenes Sozialverhalten. Denn aus Leistung erwachsen Zufriedenheit, Stolz, Selbstgewissheit, Glück und soziale Anerkennung.

Im Anschluss an die Vorträge gab es noch Gelegenheit für Fragen und Diskussionsbeiträge. Die Selbsthilfegruppen um die Leiterinnen Birgit Steinbach, Dagmar Fuchs-Pfeiffer und Andrea Tellermann-Eschert hatten für weitere Informationsquellen gesorgt. Zum einen durch einen Büchertisch der Buchhandlung Ulrich aus Hankensbüttel. Zum anderen konnten sich die Besucher über Möglichkeiten des Versicherungsschutzes informieren bei Christoph Lütkemüller, Finanzkaufmann aus Wahrenholz, Landkreis Gifhorn. Nicht selten ist die Versicherung von Menschen mit der Vorerkrankung ADHS erschwert, da sie zu einer Risikogruppe zählen. Folgeerkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen treten häufiger auf. Zudem kommt es durch die oft hohe Risikobereitschaft AD(H)S-Betroffener zu deutlich erhöhten Unfallraten.

Diesen Bericht können Sie hier auch herunterladen:
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AD(H)S wird erwachsen [ erstellt am: 04.11.2018 ]
Ergänzend zu dem Bericht über das Symposium 2018 mit dem Titel "AD(H)S wird erwachsen" können Sie hier die Folien zu dem Fachvortrag von Frau Dr. Stollhoff (ohne Bilder und Videos) herunterzuladen.
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ANDERS DENKEN HÖREN SEHEN Artikel aus der Zeitung FRANKFURT & RHEIN-MAIN MIT KINDERN erschienen Januar 2013 [ erstellt am: 24.01.2013 ]
von: 01.01.2013 um: 00:00 Uhr / bis: 01.01.2013 um: 00:00 Uhr
)) MIT BEHANDLUNG SCHAFFEN VIELE KINDER
DAS ABITUR, OHNE REICHT ES
OFT NUR ZUM HAUPTSCHULABSCHLUSS ((

ADHS gehört zu den häufigsten Störungen
im Kindes und Jugendalter. Die Krankheit wird kontrovers diskutiert, ist aber mit einer differenzierten Diagnose und einer individuellen Therapie in den Griff zu bekommen.
TEXT: ANDREA MÖLLER

„Er gaukelt und schaukelt, er trappelt und zappelt": Mit diesen Worten beschreibt Heinrich Hoffmann seinen Zappel-Philipp. Im ,,Struwwelpeter", dem bekanntesten Werk des Psychiaters und Kinderbuchautors, findet sich außerdem die Geschichte von „Hanns Guck in die Luft" - einem ständig verträumten Jungen. Die Kombination aus beiden Verhaltensweisen bezeichnen Hoffmanns Kollegen heutzutage als Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung oder kurz als ADHS. Während man betroffenen Kindern in früheren Jahrhunderten ganz einfach schlechtes Betragen bescheinigte, ohne dahinter physische oder psychische Ursachen zu vermuten, ist ADHS in unseren Tagen längst ein klar definiertes Krankheitsbild. Was aber nicht bedeutet, dass alle hibbeligen und zerstreuten Mädchen und Jungen automatisch damit zu tun haben.
Fallen die Kinder jedoch öfter als ihre Altersgenossen „aus dem Rahmen", sollten die Eltern aufmerksam und, wenn nötig, aktiv werden.

Um eines vorwegzunehmen: Natürlich gibt es zu ADHS viele kontroverse Diskussionen. Einige Kritiker stellen die Existenz dieser Störung sogar komplett infrage. Sie gehen davon aus, dass sie die Erfindung einer intoleranten und leistungsorientierten Gesellschaft sei, so das „zentrale adhs-netz" in einer aktuellen Stellungnahme. Nichtsdestotrotz handelt es sich hierbei um eine Störung, die seit 1978 im „International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems" (ICD) gelistet ist - also im wichtigsten und weltweit anerkannten Klassifikationssystem medizinischer Diagnosen.

Statistisch gesehen sind ungefähr 5 Prozent aller Kinder und Jugendlichen davon betroffen. In Deutschland wären das aktuell knapp 550000 Mädchen und Jungen. Die Ursachen für eine <der häufigsten Störungen im Kindes-und Jugendalter> sind überwiegend bekannt. „ADHS ist zu 70 bis 80 Prozent genetisch bedingt und lässt sich zu 20 Prozent auf Umwelteinflüsse wie Rauchen in der Schwangerschaft zurückführen", erläutert Prof. Dr. Christine Freitag, Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kinder- und Jugendalters der Uniklinik Frankfurt. „Außerdem gibt es bei Frühgeborenen bis 2000 Gramm einen großen Anteil an ADHS, erklärt die Expertin weiter. Familiäre Risikofaktoren, darunter etwa ein instabiles Elternhaus, erhöhten nicht nur die Wahrscheinlichkeit, diese Störung zu entwickeln, sondern verstärkten auch die Symptome.
Erste Anzeichen, die jedoch mehr oder weniger stark ausgeprägt sein können, zeigen sich meist schon früh - und zwar im Vor- und Grundschulalter. Mädchen und Jungen mit ADHS sind verträumt, hören nicht richtig zu, sind vergesslich. Sie sind zappelig, sitzen nicht still, sind aufgedreht. Sie neigen zu Ungeduld und bekommen regelrechte Wut- beziehungsweise Tobsuchtsanfälle. Laut ICD existieren drei Arten von ADHS: der vorwiegend unaufmerksame, der vorwiegend hyperaktiv impulsive und schließlich der sogenannte Mischtypus. Um festzustellen, ob und in welcher Form die Störung auftritt, bedarf es einer genauen Untersuchung. Dass man einige ruhelose Charaktere zu schnell ,,abstempelt", weiß auch die Professorin der Uniklinik. Um das zu vermeiden, besteht eine differenzierte Erstdiagnostik bei ihr und ihrem Team aus mehreren Schritten, die unter anderem ein Interview von Eltern und Kindern sowie eine psychologische und neurologische Untersuchung der potenziellen Patienten beinhalten.
Herrscht endlich Gewissheit, sind verschiedene Behandlungsansätze möglich. Meist empfiehlt sich sogar eine multimodulare Therapie, zu der beispielsweise Medikamente und verhaltensorientierte Trainings gehören. Eltern sind natürlich nicht verpflichtet, ihren Nachwuchs mit Pillen zu füttern. Pharmazeutische Mittel bei der Behandlung grundsätzlich auszuschließen ist aber auch keine Option - vor allem, wenn die Kinder sehr unter den Symptomen leiden. Freitag erklärt: ,,Nur in Schwarz und Weiß zu denken hat sich als wenig hilfreich erwiesen. Gerade Methylphenidat ist ein gut überprüftes Medikament, von dem viele Betroffene enorm profitieren." Fest stehe außerdem, dass der Wirkstoff, der sich auch in Ritalin finde, nicht selten die Basis für eine Verhaltenstherapie und somit eine langfristige Veränderung sei. Er mache aufmerksamer, mindere das impulsive Verhalten und die körperliche Unruhe. Entgegen weitverbreiteter Meinung fördere er nicht die Drogenabhängigkeit. Mögliche Nebenwirkungen, die nach Absetzen allerdings wieder verschwänden, seien langsameres Wachstum und geringerer Appetit. Ein zusätzlicher und sehr wichtiger Baustein bei der Behandlung von Mädchen und Jungen mit ADHS ist das Elterntraining. Den geduldigen Umgang mit den meist ungeduldigen „Störenfrieden", die bei Gleichaltrigen häufig auf Ablehnung stoßen und deshalb frustriert sind, müssen Mütter und Väter erst einmal lernen.

Kinder mit ausgeprägter Symptomatik machen sich und anderen das Leben schwer, besonders schlimm trifft es sie jedoch, wenn sie nicht therapiert werden. Freitag: „Man nimmt ihnen viele Chancen, wenn man darauf verzichtet, sie zu behandeln. Beispielsweise ist inzwischen belegt, dass sie - bei gleicher Intelligenz - schlechtere Schulabschlüsse machen. Mit Behandlung schaffen viele das Abitur, ohne reicht es oft nur zum Hauptschulabschluss." Und auch bei Erwachsenen sind die Probleme nicht auf einmal verschwunden. Um etwa in einer dauerhaften Beziehung zu leben, benötigen die Betroffenen einen überaus toleranten Partner.
Der erste Schritt zu einer zuverlässigen Diagnose, gefolgt von einer individuellen Therapie, ist ein Gespräch mit dem Kinderarzt oder den fachkundigen Beratern der Sozialpädagogischen Zentren. Auf eine ausführliche Untersuchung hat sich die bereits erwähnte Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kinder- und Jugendalters spezialisiert. Wer die Experten in entspannter Umgebung treffen und „beschnuppern" möchte, kann das jährliche Sommerfest mit Fußballturnier besuchen. Neben Kooperationspartnern nehmen auch Patienten von früher und heute an der beliebten Veranstaltung teil.

Infofenster zu obigem Artikel:
INFO
Klinik für Psychiatrie,
Psychosomatik und Psychotherapie
des Kinder- und
Jugendalters der Uniklinik
Frankfurt, Deutschordenstraße
50, 60528 Frankfurt,
telefonische Anmeldung:
069 6301-5920
(Mo-Fr 9-12 + 14-16 Uhr),
www.kgu.de
Sozialpädagogisches Zentrum
Frankfurt Mitte,
Theobald-Christ-Straße 16,
60316 Frankfurt,
telefonische Anmeldung:
069 9434095-0 (Mo-Do
9-11 + 14-16, Fr 10-11 Uhr)
www.spz-frankfurt.de

Rezension von Prof. Dr. med. Veit Rößner, Dresden zum Buch Aufmerksamkeitsdefizit-­‐Syndrom ADHS -­‐ die Einsamkeit in unserer Mitte Von Karsten Dietrich [ erstellt am: 08.01.2013 ]
von: 30.11.2012 um: 00:00 Uhr / bis: 30.11.2012 um: 00:00 Uhr
Aufmerksamkeitsdefizit--Syndrom ADHS die Einsamkeit in unserer Mitte
Von Karsten Dietrich

Schon der Titel des Buches signalisiert, dass der Autor mit seinem Buch neue Wege geht, um Impulse für ein verändertes Verständnis möglicher Ursachen und damit auch Behandlung der
Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts--Störung zu geben. Mit außergewöhnlicher Akribie hat er viele bekannte „Puzzleteile“ zu ADHS zusammengetragen, neu geordnet und durch Befunde und Überlegungen aus anderen Bereichen wie z.B. posttraumatischer Belastungsstörung ergänzt.
Damit ist es dem Autor gelungen ein breites, spannendes und sehr lesenswertes Modell zum Verständnis der ADHS zu geben, das eine fehlangepasste, autonome Sicherheitsreaktion des Gehirns als Grundannahme aufweist und bisher so nicht existiert. Neben der umfassenden Information über den heutigen Wissensstand zu verschiedenen Aspekten der ADHS ist es besonders diese perfekte Verknüpfung aller Teile, die die Faszination des Buches ausmachen. Das Problem einer zu großen oder zu kleinen Detailtiefe hat der Autor insgesamt sehr gut gelöst: man wird umfassend und leicht verständlich auch über schwierige Hintergründe informiert ohne den Blick für die neue, „große Botschaft“ zu verlieren. Natürlich erlaubt eine selektive Darstellung von Informationen möglichen Kritikern auch immer den Vorwurf der subjektiven, beliebigen, ja gar tendenziösen Auswahl, um eine bestimmte Botschaft zu unterstützen. Doch ohne solche Anregungen, die den breiten Pfad der allgemeinen Lehrmeinung verlassen, gäbe es keinen Fortschritt.
Auch kann an keiner Stelle dem Autor der Vorwurf gemacht werden, falsch oder schlecht recherchiert zu haben. Ich wünsche dem Buch wie der Autor, dass „das Neue“ des Buches Anregungen für neue Richtungen der Forschung, aber auch Diagnostik und Therapie der ADHS gibt. Hierfür wäre eine Übersetzung ins Englische sehr dienlich.
Alles in allem ist das Buch eine anregende, informative Lektüre für alle, die mit ADHS zu tun haben. Dies ist umso mehr zu loben, als das unglaublich aufwendige und qualitativ hochwertige Buch ausschließlich in der Freizeit des Autors entstanden ist, und man kann sich somit nur dem Dank an seine Familie im Vorwort anschließen.

Prof. Dr. med. Veit Rößner, Dresden

Kinderärztliche Praxis 83 (2012) Nr.6, S. 389

ADHS+Schule = Hochexplosiv!? Hochinteressant!? [ erstellt am: 12.09.2011 ]
von: 27.08.2011 um: 13:00 Uhr / bis: 27.08.2011 um: 19:00 Uhr
ADHS+Schule =Hochexplosiv!? Hochinteressant!?
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Kinder mit AD(H)S und Schule – das kann eine hochexplosive Mischung sein. Können beim kleineren Kind viele AD(H)S-typische Erscheinungen durch Eltern und Umfeld noch kompensiert werden, so beginnen mit dem Schuleintritt häufig massive Probleme. Kenntnisse über die Nöte und Bedürfnisse der Kinder können dazu beitragen ihre Lebenschancen zu verbessern. Hier wichtige Informationen zu liefern und die Zusammenarbeit zwischen allen Verantwortlichen zu stärken, war das Anliegen des diesjährigen Symposiums der Selbsthilfegruppe JoJo. Die Gruppe hatte sich mit diesem Fortbildungsangebot deshalb direkt an alle umliegenden Schulen gewandt. Nicht zuletzt deshalb war die Realschule Wittingen als Veranstaltungsort gewählt worden.
Drei namhafte Referenten hatten neue Erkenntnisse und Ideen im Gepäck, von denen die anwesenden Zuhörer in hohem Maße profitieren konnten. Umso enttäuschender war es, dass die Stadt für die Nutzung der Räumlichkeiten eine Miete erhob und dass relativ wenige Lehrer unter den Zuhörern waren.
Ingrid Klopp als Schirmherrin betonte einmal mehr die große Bedeutung guter Kontakte zwischen AD(H)S-Betroffenen und der Politik. Als Gastgeberin gab Schulleiterin Beate Harm zu Beginn einen kurzen Überblick über die vielfältigen Angebote ihrer Schule.
Anhand verschiedenster Beispiele aus ihrer Praxis verdeutlichte Dr. Kirsten Stollhoff, Fachärztin für Kinder-und Jugendheilkunde am UKE in Hamburg, eindrücklich die Abwärtsspirale, in die Kinder mit AD(H)S geraten können. Das gilt vor allem für die Träumer, die durch die Anforderungen in der Grundschule einen Einbruch erleben. Sie sind langsam, vergesslich, kommen schwer in die Gänge. Sie stören aber nicht, werden leicht übersehen und kommen immer zu kurz. Geringes Selbstwertgefühl, psychosomatische Beschwerden, Schulunlust bis hin zur Schulverweigerung und Depressionen können im weiteren Verlauf die Folgen sein. Auch unter Schul- und Studienabbrechern sind AD(H)Sler gehäuft zu finden. Der Lernfortschritt, so erfuhren die Zuhörer, fällt eindeutig geringer aus – das zeigen entwicklungsabhängige Intelligenzmessungen. Danach kann der IQ um bis zu 15 Punkte sinken, das heißt, die Kinder speichern den Unterrichtsstoff nicht ab, haben kaum einen Lernzuwachs – kurz, ohne Therapie „verdummen“ sie im Laufe der Schulzeit. Eine angemessene rechtzeitige Therapie hilft den Betroffenen ihr Arbeitstempo und Arbeitsgedächtnis sowie das Planen ihrer Handlungen zu verbessern, indem das Chaos im Gehirn vermindert wird. Die pädagogische Herausforderung besteht darin, Kinder im Unterricht so zu fördern und zu motivieren, dass sie ihr kognitives und soziales Potenzial entfalten können. Dabei helfen klare Strukturen im Unterricht, wertschätzendes Verhalten und eine fruchtbare Kooperation zwischen den betroffenen Kindern, ihren Eltern, den Lehrern und dem behandelnden Arzt.
Um die Umsetzung der sogenannten Inklusion ging es in dem Vortrag von Markus Börger, Förderschulrektor der Bodwede-Schule in Ebstorf. Seit der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen gibt es einen Rechtsanspruch auf inklusive Bildung. Ziel ist also der gemeinsame Unterricht für Kinder mit und ohne Förderbedarf. Das schließt auch Schüler mit dem Förderschwerpunkt sozial-emotionale Entwicklung ein. Börger und seine Teammitglieder vom Uelzener Beratungs-und Unterstützungs-System für den Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung (UE-BUS) bieten Lehrkräften und Erziehern, aber auch Eltern und betroffenen Kindern Unterstützung an, damit eine Inklusion aller Schüler, auch der schwierigen, gelingt. Ein ähnliches Beratungssystem gibt es auch im Landkreis Gifhorn.
Was Schule noch tun kann um erfolgreiches Lernen zu fördern machte Hermann Städtler, Leiter des Projektes „Bewegte, gesunde Schule Niedersachsen“, deutlich. Bewegung spielt eine zentrale Rolle in der Fridtjof-Nansen-Grundschule in Hannover, die Städtler leitet. Er gab erstaunliche Einblicke in den veränderten Schulalltag seiner Schule und zeigte, wie viel Spielraum die Schülerinnen und Schülern für ihr natürliches Bewegungsbedürfnis bekommen, sei es durch ergonomisches Mobiliar, das die Bewegungen der Kinder ermöglicht und abfängt, durch Steharbeitsplätze oder durch vielfältige Angebote in den Pausen. Gleichzeitig gibt es klare Ansagen und Spielregeln für Bewegung, ritualisierte Auszeiten und Rückzugsmöglichkeiten. Diese Rahmenbedingungen begünstigen die Entwicklung, das Lernen und vor allem die Lernfreude aller Kinder, können aber vor allem AD(H)Slern helfen ihre Aufmerksamkeitsstörung, ihre Impulsivität und ggf. ihre Hyperaktivität besser in den Griff zu bekommen. Als Projektleiter berät Städtler mit seinem Team interessierte Schulen. Er machte den Zuhörern Mut in den Schulen Veränderungen anzustoßen und durch ihr Verhalten Verhältnisse im Lern- und Lebensraum Schule zu verbessern, auch bei begrenzten finanziellen Mitteln. Er fasste das augenzwinkernd zusammen mit der Forderung: „Schule muss so gut aussehen wie die Sparkasse vor Ort“.

Marion Buchholz
Selbsthilfegruppe JoJo



Grosser Schritt in der Erwachsenen- Therapie [ erstellt am: 22.04.2011 ]
In der Erwachsenen Therapie ist die Medizin nun einen entscheidenden Schritt weiter gekommen. Die Firma Medice hat die Zulassung für ein neues Medikament zur Behandlung von Erwachsenen erhalten.
Der zur Behandlung von Erwachsene bis jetzt nicht zugelassene Wirkstoff Methylphenidat ( enthalten in Ritalin, Medikinet, uns. ) hat somit den Schitt aus dem offlabel getan und eine Behandlung wird leichter werden.

Von unserem Bundesverband erhielten wir am letzten Wochenende folgende Nachricht:

"Liebe Regionalgruppenleiterinnen,
liebe Regionalgruppenleiter,

zum Wochenausklang noch eine gute Nachricht:

Die Firma Medice hat die Zulassung eines Arzneimittels zur Behandlung der ADHS bei Erwachsenen erhalten. Dieses Präparat mit dem Namen "Medikinet adult" wird voraussichtlich ab Sommer 2011 auf den Markt kommen.

Weitere Informationen hierzu: http://www.bfarm.de/DE/BfArM/Presse/mitteil2011/pm02-2011.html.

Nachricht ohne einige Formdetails aus dem Original"





Symposium 2010 - ADHS Superpubertät Herausforderungen und Perspektiven [ erstellt am: 27.09.2010 ]
von: 18.09.2010 um: 13:00 Uhr / bis: 18.09.2010 um: 19:00 Uhr
Jugendliche mit AD(H)S – Leben in Extremen oder „Superpubertät“
Es war ein besonderes Geschenk, das die Selbsthilfegruppe JoJo sich selbst und den vielen Besuchern präsentierte, die am Samstag den Saal des Gasthauses Pasemann in Emmen füllten: drei kompetente Experten in Sachen AD(H)S, die ihre Zuhörer durch ebenso informative wie kurzweilige Vorträge begeisterten. Anlass war das 15jährige Bestehen von JoJo, Grund genug dem 6. Symposium überregionale Bedeutung zu verschaffen, denn geladen hatte diesmal die Landesgruppe Niedersachsen / Bremen des ADHS Deutschland e. V. Neu war: Parallel fand eine Veranstaltung für betroffene Jugendliche in der Jugendherberge statt.
Fünfzehn Jahre JoJo – das bedeutet 15 Jahre Engagement der Mitglieder mit dem Ziel aufzuklären durch Erfahrungsaustausch und eine Vielzahl von Informationsangeboten. Angetrieben wurde das Team um die Vorsitzende Dr. Uta Ringeling von dem Wunsch betroffenen Familien zu helfen und Brücken zu schlagen zwischen Betroffenen und ihren Angehörigen einerseits und Erziehern, Pädagogen, Ärzten, Politikern und anderen gesellschaftlichen Gruppen andrerseits. Der starke Gegenwind, der den Mitgliedern zu Beginn entgegen schlug, so Ringeling, sei abgeflaut. Es konnte viel für die Akzeptanz des ADHS erreicht werden. Dabei sei die Landtagsabgeordnete Ingrid Klopp eine wohlwollende Förderin gewesen. Klopp als Schirmherrin des 6. Symposiums hob die Wichtigkeit der Selbsthilfegruppe hervor und versprach Anliegen auch in Zukunft über den direkten Kontakt in die politischen Gremien zu tragen.
Bürgermeisterin Beate Harms betonte in ihrem Grußwort: Auch das ländlich geprägte Hankensbüttel sei, trotz aller Vorteile, das es Familien biete, keine heile Welt. Es gehe darum gute Rahmenbedingungen für Erziehung zu schaffen. Vereine, Verbände und Selbsthilfegruppen wie Jojo stellten dabei ein wichtiges soziales Netzwerk dar, um die Elternhäuser zu unterstützen.
Hartmut Gartzke, Vorsitzender der Landesgruppe und federführend bei der Organisation der Veranstaltung, dankte dem JoJo-Team und dessen Vorsitzender für das langjährige Engagement. Als Leiter einer Selbsthilfegruppe und Vater zweier betroffener Kinder weiß er um die Enttäuschungen und Nöte in Schule, Ausbildung und im Alltag. Von einer angemessenen Versorgung der AD(H)S-ler vor allem im Erwachsenenalter könne seiner Meinung nach noch nicht gesprochen werden.
Seit etwa 15 Jahren beschäftigt sich auch Dr. Astrid Neuy-Bartmann, Fachärztin für psychotherapeutische Medizin in Aschaffenburg mit AD(H)S bei Heranwachsenden und Erwachsenen. Selbst Betroffene und Mutter von Kindern in der Pubertät mit und ohne ADHS weiß sie, wovon sie spricht. Aufgrund körperlicher, hormoneller und psychischer Veränderungen wird die Pubertät häufig zur Krisenzeit, die das Zusammenleben vieler Familien aufmischt. Die Situation potenziert sich bei Jugendlichen mit AD(H)S – Neuy-Bartmann nennt es Superpubertät. Bei abnehmendem Einfluss der Eltern und steigenden Leistungsanforderungen in Schule und Ausbildung mehren sich Misserfolge, Kritik, Selbstzweifel und Lustlosigkeit. Schlechte Zeiteinteilung, chaotische Arbeitsweise oder gar Verweigerungshaltung werden zum Problem. Extreme Stimmungsschwankungen und überschießende Reaktionen belasten das Zusammenleben in Familie, Partnerschaft und mit Gleichaltrigen. Die eigene Überempfindlichkeit verbunden mit dem Drang selbst gnadenlos auszuteilen machen die Jugendlichen zu „Mimosen mit Holzkeulen“. Besorgnis erregend ist das hohe Suchtrisiko (Alkohol, Drogen, Internetkonsum etc.).
In dieser Phase müssen Jugendliche begreifen, dass sie besser leben, wenn sie sich mit dem ADHS auseinandersetzen. Sie müssen Strategien im Umgang mit den eigenen Beeinträchtigungen und Potenzialen entwickeln, vor allem auch um die passende berufliche Nische zu finden. Unbedingt zu vermeiden sind Schul- und Ausbildungsabbruch.
Diplom-Psychologe Dr. Peter Strohbeck-Kühner befasst sich am Institut für Rechtsmedizin und Verkehrsmedizin der Universität Heidelberg mit den besonderen Aspekten des AD(H)S bei Autofahrern. Seine Studien belegen ein deutlich erhöhtes Unfallrisiko, häufig in Zusammenhang mit überhöhter Geschwindigkeit, Fahren ohne Fahrerlaubnis oder Unfallflucht. AD(H)S-bedingte Defizite wirken sich hier negativ auf das Fahrverhalten aus, lassen sich aber durch Medikation entscheidend verringern. Er empfiehlt Ablenkungen beim Fahren zu vermeiden und die Fahreignung einschränkende Beeinträchtigungen therapeutisch aufarbeiten zu lassen. Es gibt aber auch, betont Strohbeck-Kühner, ADS-ler, die sehr gut Auto fahren.
Einstein oder Crashkid? Mit AD(H)S das Leben meistern! Zu dieser griffigen Formel referierte Diplom-Psychologe Dr. Johannes Streif und sein Vortrag trug starke autobiographische Züge. Von der Kindheit bis zum Erwachsenenalter geriet er immer wieder in brisante, AD(H)S-typische, in der Rückschau oft komische Situationen. Die Weichen für ein erfolgreiches Leben werden schon sehr früh gestellt und haben sehr viel mit liebevoller aber konsequenter Erziehung zu tun, die Halt und Struktur gibt. Streif fordert Anstrengungs- und Leistungsbereitschaft, das Einhalten von Regeln und ein angemessenes Sozialverhalten. Jugendlichen sollte Verantwortung übertragen werden, damit sie lernen, ihr Geschick in die Hand zu nehmen und selbständig zu werden. Sein Fazit: ADHS ist ein guter Grund aber keine gute Entschuldigung und sicher kein Grund im Abseits der Gesellschaft zu stehen.

Für die Selbsthilfegruppe Jojo
Marion Buchholz

Finanzspritze für JoJo [ erstellt am: 30.12.2009 ]
Dieser Artikel erschien am 16. Dezember 2009 im Isenhagener Kreisblatt:

Finanzspritze für JoJo
Bürgerstiftung spendet 2400 Euro für Hankensbütteler Selbsthilfegruppe

Erfreut nahm Dr. Uta Ringeling, Vorsitzende der ADHS- Selbsthilfegruppe JoJo in Hankensbüttel, einen Scheck aus den Händen von Lutz Bachmann, Vorstand der Bürgerstiftung Sparkasse Gifhorn- Wolfsburg, entgegen. Die Spende in Höhe von 2400 Euro wurde zur Anschaffung eines neuen Laptops und eines Beamers verwendet.
"Wir sind sehr dankbar für die großzügige Unterstützung", so Ringeling bei der Spendenübergabe. "Mit den neuen Präsentationsgeräten können wir unser Symposium und Vorträge bei Schulen und Verbänden professionell gestalten und sind nicht mehr auf kostenintensive Leihgeräte angewiesen", unterstreicht Ringeling.
Lutz Bachmann bekräftigte die Entscheidung der Bürgerstiftung: "Mit ihrer Arbeit leistet die Selbsthilfegruppe einen wichtigen Beitrag für ADHS- Betroffene. Die erbliche Störung ist individuell ausgeprägt und darf zum Beispiel kein grund für das Scheitern von Kindern in der Schule sein. Daher haben wir hier sehr gerne geholfen."
Die Selbsthilfegruppe JoJo ist eine Regionalgruppe des Dachverbandes ADHS Deutschland e.V. und existiert bereits seit 1995 in Hankensbüttel. Die Selbsthilfegruppe hat sich auch zum Ziel gesetzt, brachliegende Fähigkeiten von Betroffenen zu erkennen und diese nutzbar zu machen.
Das Leotungsteam bestehend aus sieben ehrenamtlichen Mitarbeitern unterstützt mit großem Engagement Betroffene aller Altersstufen und deren Angehörige. Regelmäßige Informationsveranstaltungen und Treffen werden ebenso durchgeführt wie ein jährlich stattfindenden Symposium.
Das Krankheitsbild von ADHS (Aufmerksamkeits- Defizit- Hyperaktivitäts- Störung) ist in der Öffentlichkeit nach wie vor wenig bekannt. Die Krankheit ist nicht heilbar. Aber umfassende Hilfe und Unterstützung sorgt für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen.
Infos über die Bürgerstiftung git es im Internet unter www.buergerstiftung-gf-wob.de.



Symposium 2009 Erfolgreich lernen trotz ADHS Fleyer mit Anmeldeformular am Ende des Textes [ erstellt am: 14.09.2009 ]
von: 29.08.2009 um: 14:00 Uhr / bis: 29.08.2009 um: 19:00 Uhr
AD(H)S-Kinder häufig Mobbingopfer
Etwa 120 Teilnehmer konnten Dr. Uta Ringeling, Vorsitzende der Selbsthilfegruppe JoJo, und ihr Team beim diesjährigen Symposium im Gymnasium Hankensbüttel begrüßen. Gäste waren auch Landtagsabgeordnete Ingrid Klopp und Landrätin Marion Lau. Lau betonte, wie wichtig es sei, dass das fundierte Fachwissen, das durch die Selbsthilfegruppe Verbreitung finde, auch in die Entscheidungsgremien hineingetragen werde.
„Erfolgreich lernen trotz AD(H)S“, so hatte die Kinder- und Jugendpsychiaterin Dr. Helga Simchen aus Mainz ihren Vortrag überschrieben. Mit vielen Beispielen aus ihrer Praxis berichtete die Verhaltenstherapeutin von den typischen Schwierigkeiten der ADS-Kinder und hier vor allem der stillen Kinder ohne Hyperaktivität in der Schule. Sie erläuterte anschaulich die Hirnfunktionen, die für Konzentrationsmangel, unangepasste Gefühlssteuerung und mangelnde Informationsverarbeitung verantwortlich sind und zu Teilleistungsstörungen wie Rechtschreib- oder Rechenschwäche führen können. Wichtig sei die Früherkennung und möglichst frühe Förderung vor dem Schulbeginn. Simchen gibt wertvolle Tipps, wie die Lernfähigkeit der Kinder in Elternhaus, Kindergarten und Schule gezielt gefördert werden kann, z. B. durch Bewegungs- und Konzentrationstraining, Verhaltenstherapie und unterstützt durch Medikamente.
Betroffenheit löste der Vortrag von Gerhild Drüe aus. Unter dem Titel „Wer glaubt schon einer Mutter“ berichtete sie über Erfahrungen, die sie als Mutter eines stark betroffenen Sohnes mit Therapeuten und Beratern gemacht hat, bei denen sie Hilfe suchte. Sie weiß von vielen Fällen, wo Eltern und hier vor allem Müttern, maßgeblich die Schuld am auffälligen Verhalten und den psychischen Störungen ihrer ADS-Kinder gegeben wurde. Wo auf der Grundlage tiefenpsychologischer Erklärungen Familien durchleuchtet und Eltern an den Pranger gestellt wurden, wo man Elternberichten nicht glaubte und neurobiologische Ursachen der Störungen ignorierte oder leugnete.
Ihre Forderung ist eindeutig: Wissenschaftlich gesichertes Wissen über ADHS gehört in die Pflichtkataloge der Ausbildung von Psychologen, Therapeuten und Ärzten.
Der Uelzener Kinder- und Jugendarzt Dr. Karsten Dietrich sieht ADHS als wichtigste Ursache für Lernstörungen und wendet sich besonders an Pädagogen. Zunächst erläutert er die gestörten Hirnfunktionen. Sie führen dazu, dass sich der sogenannte Sicherheitssinn eines Kindes mit AD(H)S nicht altersangemessen entwickeln kann. Die betroffenen Kinder fühlen sich häufig angegriffen oder gemobbt, sind in ständiger Verteidigungshaltung, können Schuld nicht ertragen und haben Schwierigkeiten mit Kritik umzugehen. Ihre Wut und Verzweiflung darüber können sie nicht ausdrücken. Sie reagieren unangemessen und ohne nachzudenken mit Aggression oder Provokation. Die stillen ADS-Kinder dagegen wollen auf keinen Fall auffallen und ziehen sich völlig zurück. Es gilt, ihre Einsamkeit zu beenden und ihnen zu helfen ihre Leistungsfähigkeit sowie ihre Talente auch umzusetzen. Eine Medikation mit Methylphenidat hilft die Hirnfunktionen zu verbessern und den Sicherheitssinn zu normalisieren.
Für Lehrer, Erzieher und Eltern ist es wichtig ihre Führungsrolle wahrzunehmen und damit Sicherheit zu schaffen. Sie sollten sich selbst nicht angegriffen fühlen, sachlich bleiben, auf das Einhalten von Regeln achten und Provokationen nicht zulassen.
Schulddiskussionen und Bloßstellungen sollten unbedingt vermieden werden.
Alle Referenten machten deutlich, dass AD(H)S-Kinder leicht zu Mobbingopfern werden und besonderer Hilfe bedürfen.
Bei den Vorträgen kam der von der Bürgerstiftung der Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg gesponserte Beamer erstmals zum Einsatz.